Während die Menschen in der ganzen arabischen Welt darum kämpfen, die Lasten der Diktatur abzuschütteln, mag die Veröffentlichung von The Devil’s Double, einem glatten englischsprachigen Ausflug in den Irak von Saddam Hussein, entweder zeitgemäß oder unsensibel erscheinen. Gedreht in grellen, vergoldeten Tönen und pulsierend vor Pop-Dekadenz, ist der Film weniger eine Anatomie autoritärer Politik als ein Gangsterfilm. Mercedes-Benz Limousinen rasen durch die Straßen; Männer in dunklen Anzügen und Sonnenbrillen teilen sich den Bildschirm mit Frauen in Dessous; Waffen werden gezogen und abgefeuert; und das Leben ist entweder ein ununterbrochener Krieg oder eine endlose Party oder beides.

Die Beschwörungen des Films an die Traditionen von Scarface und The Sopranos sind weder zufällig noch unangemessen. Die Husseins ähnelten einer klassischen Hollywood-Kriminalfamilie – oder zumindest erscheinen sie so in den 1980er und 90er Jahren, als der Film spielt. Saddam (Philip Quast) ist ein mürrischer, abgelegener Patriarch, der sich mit dem täglichen Geschäft der Tyrannei beschäftigt. Seine Rücksichtslosigkeit scheint zumindest einen Zweck zu haben. Aber der Dämon in The Devil's Double ist sein Sohn Uday (Dominic Cooper), dessen Eigensinn sowohl das Ergebnis der absoluten Macht seines Vaters als auch eine Quelle der Irritation für den alten Mann ist.

Uday, ein erbärmlicher und gefährlicher Schwächling unter seiner Playboy-Strebe, präsentiert eine interessante Fallstudie zur Psychopathologie ungezügelter Privilegien. Als Vergewaltiger, Kokskopf und Sadist, sentimental an seiner Mutter hängend und alle anderen Frauen brutal verachtend, ist Uday ein wandelnder Cartoon der Entartung. Er schnauft an großen Zigarren, schwingt Rolex-Uhren und überdimensionale Pistolen und sieht aus wie ein Teenager, der seine Fantasien aus Hip-Hop-Videos auslebt.



Und während sich der Film durch seine Welt des Blutes, des Sex und des geronnenen Machismos bewegt, atmet The Devil’s Double etwas von seiner giftigen, seichten Energie ein. Manchmal hat man das Gefühl, in Grand Theft Auto: Bagdad City festzustecken, das zwar unterhaltsam genug ist, aber auch etwas ermüdend werden kann.

Der Film (Regie: Lee Tamahori) filtert seine eigene lüsterne Faszination für Uday durch die Perspektive eines anderen, weniger abscheulichen Charakters. Dies ist Latif Yahia, ebenfalls gespielt von Cooper, einem Veteranen des Iran-Irak-Krieges, der aus der Dunkelheit gerissen wird und die Rolle von Udays Doppelgänger anbietet. Es ist kein Angebot, das er ablehnen kann – der Interviewprozess beinhaltet Schläge und Drohungen gegen seine Familie – und die Verantwortung ist nicht immer angenehm. Er hat gute Kleidung, reichlich Alkohol und Zugang zu allem, was Uday nicht will, aber er muss als Lockvogel für Attentäter dienen, als Promi-Imitator und vor allem Udays offizieller bester Kumpel.

Latif, ein ruhiger Mann mit schlechtem Gewissen, dient uns bei dieser Tour hinter die Kulissen der Hölle als unser Führer und moralischer Beschützer. Seine Missbilligung von Udays Verhalten erinnert uns daran, dass wir auch entsetzt – und nicht nur erregt – von all der Gewalt und Ausschweifung sind.

Der Film schwankt schwindelerregend zwischen Faszination und Abscheu und ist vielleicht ein wenig zu unterhaltsam für sich selbst. Zuweilen gibt sie die historische Abrechnung für breiige Sensationsgier auf. Latif verfolgt eine Affäre mit Udays regelmäßiger Geliebter Sarrab, der von Ludivine Sagnier in einer Reihe von Perücken und Femme-Fatale-Manierismen gespielt wird, und verwandelt sich dann im wenig überzeugenden letzten Akt des Films von einem Gefangenen der Umstände in einen höflichen internationalen Actionhelden.

Aber bei all dem nimmt das Vergnügen, Coopers Leistung – oder besser Leistungen – zu beobachten, nie ab. Sowohl den düsteren Latif als auch den hysterischen Uday zu spielen, ist ein Kunststück, aber auch eine Tour de Force.

Seine Virtuosität reicht nicht ganz aus, um The Devil’s Double über seine selbst auferlegten Grenzen zu heben. Der Film ist provokant, aber selten zum Nachdenken anregend, und er hält vor jeder überraschenden psychologischen oder politischen Einsicht halt. Aber es hat eine erstaunliche Geschichte in den Händen, eine Geschichte von entsetzlichem Exzess, die es mit belebender und vielleicht unangemessener Begeisterung erzählt.

'des Teufels Doppelgänger'

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Bewertung: R (für sexuelle Inhalte und Gewalt)
Cast: Dominic Cooper, Ludivine Sagnier, Raad Rawi and Philip Quast
Regie: Lee Tamahori
Laufzeit: 1 Stunde, 48 Minuten


Tipp Der Redaktion